Am 12. Januar 2010 ereignet sich ein katastrophales Erdbeben in Haiti. Sofort beginnt der vermutlich komplexeste internationale Einsatz für zivile Rettungskräfte.

Straßenbild nach dem Erdbeben auf Haiti (Bild: Getty Images / News)
Die ersten Meldungen über das Beben gehen mit einer Tzunami-Warnung für große Teile der Karibik einher. Vermutlich ist die Tzunami-Warnung der Grund, weshalb die Meldung sofort verbreitet wird. Während die Tzunami-Warnung nach kurzer Zeit aufgehoben wird, kommen erste Hilfeersuchen über das Internet. Meldungen über ein eingestürztes Krankenhaus sowie den zerstörten Präsidentenpalast halten in der Nacht den Fokus des öffentlichen Interesses auf Haiti. Das eigentliche Ausmaß der Katastrophe wird jedoch erst im Laufe der kommenden Stunden und Tage deutlich.
Die internationale Hilfe läuft sofort an. Aus vielen Ländern machen sich “Search and Rescue Teams” (SAR Teams), Rettungshundestaffeln und medizinisches Personal auf den Weg nach Haiti. Aus Deutschland kommen z. B. ein Rettungsteam der I.S.A.R. Germany und das Technische Hilfswerk (THW) mit Spezialisten zur Wasseraufbereitung zum Einsatz.

Improvisierte Rettung aus den Trümern (Bild: Getty Images / News)
Die ersten eintreffenden Rettungskräfte haben bereits große Probleme auf der Anreise. Der Kontrollturm des Flughafens von Port-au-Prince ist nach dem Beben nicht mehr funktionstüchtig. Auch der Seehafen ist stark beschädigt. In den ersten Tagen bleibt nur die Wahl zwischen einer sehr risikoreichen Landung in Port-au-Prince oder der langwierigen Anreise auf dem Landweg über die Dominikanische Republik. Für die eingeschlossenen Opfer zählt jede Sekunde, doch wem nützt ein zusätzliches Unglück, beim Landeversuch auf einer verwaisten Landebahn.
Zu den außergewöhnlichen Belastungen und Herausforderungen die ein solcher Einsatz mit sich bringt, hält der Einsatz in Haiti für alle Beteiligten noch eine ganz besondere Schwierigkeit bereit. Vor Ort gibt es keinerlei Koordination der Rettungskräfte. Die zuständigen Einrichtung und Behörden sind fast alle zerstört. Viele zuständige Personen sind bei dem Beben ums Leben gekommen. Zunächst gibt es weder auf operativer-, noch auf administrativer- oder politischer Ebene zuständige Entscheidungsträger. Es sind kaum nationale Rettungskräfte im Einsatz. Selbst die UN, die in Haiti mit internationalem Mandat vertreten ist, hat starke Verluste erlitten und viele Führungskräfte verloren.

Rettungshundestaffel im Haiti Einsatz (Bild: Getty Images / News)
Während die internationalen Rettungskräfte vor Ort anfangen sich selbst zu organisieren, entsteht für die politisch Verantwortlichen der internationalen Gemeinschaft großer Zeitdruck. Neben den humanitären Folgen ist auch die Sicherheitslage ein sehr brisantes Problem.
Die internationalen Rettungskräfte agieren in einem Land, in dem es keinen funktionierenden Sicherheitsapparat mehr gibt. Das birgt unter normalen Umständen schon große Gefahren. Hinzu kommt das in Haiti mehrere tausend (!) Straftäter bei dem Beben entfliehen konnten. Spätestens nach zwei bis drei Tagen droht die Lage zu eskalieren, denn viele Überlebende werden alles versuchen um an Wasser und Nahrungsmittel zu gelangen. Die internationalen Rettungskräfte können dann zum priorisierten Ziel verzweifelter und gewaltbereiter Menschen werden.

Improvisierte Zeltstadt in Port-au-Prince (Bild: Getty Images / News)
Es gilt also auf fremdem Hoheitsgebiet die Sicherheit wieder herzustellen, um so eine Ausweitung der Katastrophe ins Bodenlose zu verhindern und die Gefährdung für die internationalen Hilfskräfte möglichst zu reduzieren. Diese Ziele können nur mit militärischer Unterstützung erreicht werden. Doch auch hier muss zunächst die Zuständigkeit geklärt werden, um mit dem Einmarsch von Truppen keine internationale Krise herauf zu beschwören. Glücklicherweise erklären sich die USA bereit diese Aufgabe zu übernehmen und erhalten dazu den Auftrag vom Präsidenten von Haiti.
Die “Chaosphase” dieses Einsatzes hält mehrere Tage an. Die kritischste Zeit war vermutlich das vergangene Wochenende. Erstmals hört man von Plünderungen und Lynchjustiz unter der Bevölkerung. Die Lage droht zu kippen, doch schon am Anfang dieser Woche sind über 10.000 amerikanische Marineinfanteristen in Port-au-Prince eingetroffen. Höflich aber bestimmt tritt das amerikanische Miltär auf. Sie setzen Zeichen und übernehmen das Kommando vor Ort. Mit dem Eintreffen eines amerikanischen Flugzeugträgers kann auch der Flughafen wieder sicher betrieben werden. Dabei übernimmt die Brücke des Flugzeugträgers die An- und Abflugkontrolle für den Flughafen von Port-au-Prince. Heute nimmt das US Militär einen zweiten Flughafen in Betrieb. Ein Lazarettschiff der US Marine entlastet die Rettungskräfte. Es verfügt über sechs hochwertige Operationssäle und kann bis zu 1000 Patienten stationär aufnehmen. In den kommenden Tagen werden weitere 4000 US Soldaten in das Krisengebiet verlegt. Vermutlich handelt es sich hierbei um die größte Mobilmachung für humanitäre Zwecke die es je gegeben hat.

Etwa die Hälfte der Bevölkerung Haitis sind Kinder! (Bild: Diakonie Katastrophenhilfe)
Nach langen und sehr schwierigen Tagen in der Hauptstadt weiten Helfer und Militär ihre Maßnahmen immer weiter auf das Umland aus. Von Zeit zu Zeit geschehen noch kleine Wunder, die den Rettungskräften Mut machen. Selbst am achten Tag werden z. B. noch zwei Kinder und zwei Erwachsene aus den Trümmern gerettet.
Mittlerweile kehren die ersten Rettungsteams völlig erschöpft zurück. Auch in Deutschland ist die Hilfsbereitschaft enorm groß. Die Menschen in Haiti sind auf unsere Hilfe angewiesen. Es empfiehlt sich für nachhaltige und langfristige Projekte zu spenden. Gut geeignet sind Organisationen die schon länger in Haiti aktiv sind. Sie verfügen bereits über Netzwerke vor Ort und können effektive und schnelle Hilfe leisten. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Diakonie Katastrophenhilfe.
Hilf mit…
Die Diakonie Katastrophenhilfe verwendet Ihre Spenden für die akute Nothilfe sowie für den Wiederaufbau in Haiti. Sie haben die Möglichkeit mit einer Onlinespenden direkt zu helfen. Sehr positiv finde ich hier auch die grundsätzliche Möglichkeit seine Spenden an einen bestimmten Zweck zu binden oder einer Region zuzuordnen.

Einheimische Helfer der Diakonie in Haiti (Bild: Diakonie Katastrophenhilfe)
Diese Woche sendet die Diakonie Katastrophenhilfe ein Flugzeug mit medizinischen Nothilfepaketen zur Basisversorgung von 80.000 Menschen für drei Monate. Zelte, Decken, Plastikplanen, Nahrungsmittel sowie Tabletten zur Wasserreinigung wird die Diakonie Katastrophenhilfe voraussichtlich weiterschicken in die Stadt Jacmel. Dort werden sie von Mitarbeitern der Diakonie Katastrophenhilfe unter der Bevölkerung verteilt.
Die Lage ist noch immer sehr schwierig, doch es wird langsam besser.
Vielen Dank an Getty Images und an die Diakonie Katastrophenhilfe für die Genehmigung ihre Bilder aus Haiti verwenden zu dürfen.
